Kategorie: T

 

Tokyo Ghoul

2017, Don Davis: stilsicher, düster, romantisch

Don Davis‘ Name ist dieser Tage nicht mehr so oft zu hören wie zu Matrix-Zeiten, aber dieser Score ist definitiv ein kräftiges Lebenszeichen. Davis wartet mit einem handwerklich perfekten, im Kern ziemlich altmodischen symphonischen Score auf, der nur punktuell und vielleicht sogar deshalb sehr effektiv von Synths und Drums ergänzt wird. Man merkt, dass hier ein Komponist am Werk ist, der weiß, welche Klänge er einem Orchester entlocken kann, und dieses Potenzial auch ausschöpft. Das von Streichern getragene Hauptthema ist düster-romantisch und erinnert sowohl in seinem Arrangement als auch in seiner Memorabilität und Vielseitigkeit an Goldsmith-Scores der 90er-Jahre, was ich als großes Plus sehe. Auch der Rest des Albums ist wohlgefällig und über Kontraste erzielt Davis kraftvolle bis wunderbare Momente. Hinwegsehen muss man lediglich über die Längen in der ersten Hälfte des Albums; mit der entsprechenden Playlist schneidet Tokyo Ghoul aber knapp überdurchschnittlich ab.

Wertung: * * * *

 

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Terminator, The

Terminator Soundtrack Cover

1984, Brad Fiedel: bahnbrechende Synthesizer-Kakophonie zwischen Schmerz und Lust

Kurzkritik: Selten war ich so hin- und hergerissen von einem Soundtrack. Der Film The Terminator gehört zu meinen einschneidendsten Jugenderinnerungen, und nun, wo ich Jahrzehnte später die Filmmusik höre, weiß ich wieder warum: Die Düsternis, die Kälte, die Verzweiflung, mit der Sarah und Kyle in den 80er-Jahren gegen die Maschinen der Zukunft kämpfen, sucht ihresgleichen und spiegelt sich 1:1 in der Musik von Brad Fiedel wieder. Der Score ordnet sich kompromisslos den Notwendigkeiten des Films unter und quält die Ohren des Zuhörers mit etwas, das man „Kampf der Synthesizer“ nennen könnte. Jeder Vergleich mit echten Instrumenten verbietet sich, daher ist das Klangbild auch nicht in einer Kritik wie dieser zu beschreiben. Ich muss gestehen, selten etwas Scheußlicheres zu Ohren bekommen zu haben, allerdings habe ich auch selten etwas so Originelles gehört. Die Filmmusik war sicher bahnbrechend, zu vergleichen eventuell noch mit Wendy Carlos‘ Beitrag zu Tron, der dagegen geradezu lyrisch und harmonisch anmutet. Anerkennung verdient das Terminator Theme, welches nicht nur zu den einprägsamsten Motiven der Filmmusik-Geschichte zählt, sondern auch deshalb herausragend ist, weil es einen kongenialen Kontrast zum Rest des Scores bildet und den Funken Hoffnung, um den es in der Geschichte geht, perfekt einfängt, ohne ins Klischee zu kippen. Ohne dieses Thema wäre der Score – Originalität hin oder her – für mich in der untersten Schublade gelandet.

Highlights: Ich empfehle, das Hörerlebnis auf End Credits: Final Suite und Terminator Theme (extended version) zu beschränken.

Wertung: * *

2-star-rating

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Two Faces of January, The

2014, Alberto Iglesias: ominöse Suspense mit Stil, aber laaangweilig

Kurzkritik: Die Musik zu diesem Patricia Highsmith-Krimi fiel mir beim Schauen des Films positiv auf, strahlte sie doch eine gewisse Tiefe und Qualität aus. Iglesias‘ Werk könnte gut und gerne auch aus einem Hitchcock-Film stammen: lange, an- und abschwellende Streicherakkorde, genretypische Ostinati, gezupften Bass und eine schnarrende Bassklarinette sowie die eine oder andere originelle Klangfarbe in einem symphonischen Orchester, das nur selten symphonisch agiert – valide Zutaten soweit. Dennoch ist das Durchhören des Albums eine triste Erfahrung für mich. Holzbläser und Gitarre führen über weite Teile das Orchester und verstärken den melancholischen Tenor, anstatt die Schönheit der Kulissen und das Winkelspiel der Charaktere zu reflektieren. Kompositorisch ist der Score keineswegs trivial, aber mit seinen Disharmonien alles andere als easy-listening, und letztendlich fehlt es schlichtweg an Bewegung: 95% des Albums ziehen sich höhepunktslos dahin, wobei man den Eindruck gewinnt, die Musik wüsste ebenso wenig wie der Zuseher, wohin die Reise geht. Auch reichte mir das Hauptthema nicht, um mich in den Bann zu ziehen. Das funktionierte vor 30 Jahren bei Goldsmith, aber nicht hier. Es bleibt – man muss es leider sagen – der Eindruck von vermeidbarer Langeweile.

Highlights: The Two Faces Of January (End Titles)

Wertung: * *

2-star-rating

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