Valerian and the City of a 1000 Planets

Valerian Soundtrack Album Cover

2017, Alexandre Desplat: fulminantes Lebenszeichen symphonischer Filmmusik

Kurzkritik: Die Kritiken im Netz überschlagen sich bereits mit euphorischen Reviews über Valerian, und es ist kein Wunder: Ich habe den Score im Urlaub mitten in der Nacht gestreamt, als ich aufwachte und nicht wieder einschlafen konnte. Ich hoffte, ein bisschen Musik würde mich zurück in den Schlaf sinken lassen, aber das Gegenteil war der Fall: Valerian hat mich mit seinen kraftvollen Harmonien verzaubert, mit der farbenfrohen Orchestrierung belebt, mit den exotischen Synthesizern fasziniert (die das Orchester übrigens nicht überlagern, sondern effektiv ergänzen) und mit seiner intelligenten Struktur und Architektur überrascht. Ich wusste immer schon, dass Desplat das Zeug hat, der nächste Goldsmith oder Williams zu werden, aber dass er die moderne Inkarnation beider ist, hat sogar mich überrascht. Dem Zeitgeist folgend installiert Desplat keine „in the face“-Themen – meines Erachtens der einzige Schwachpunkt – aber sehr wohl welche, die wiederkehren und einigermaßen Erinnerungswert haben. Zudem zaubert er aus dem Orchester Klangfarben, die noch nie ein Mensch zuvor gehört hat, und das meine ich absolut ernst!, und selbst bei den wenig dramatischen Passagen hat man das Gefühl, dass Desplat einem musikalischen Anspruch gerecht werden wollte, den man – bitte um Verzeihung – bei einem Hans Zimmer niemals hören wird. Ich möchte hier gar nicht eine Desplat vs Zimmer-Diskussion losbrechen, aber einer der Kernunterschiede zwischen diesen beiden ist, dass bei Desplat die Komposition gleichberechtigt mit den Bedürfnissen des Films im Zentrum steht, während bei Hans der Film das Maß aller Dinge ist und der musikalische Anspruch dahinter zurücksteht. Das mag ihn letztendlich zum begehrteren Filmmusik-Komponisten machen, aber es sind Künstler wie Desplat, deren Musik die Zeit überdauert, auch wenn die Filme längst aus Kinos und Streaming-Katalogen verschwunden sind. In diesem Licht ist Valerian ein starkes Lebenszeichen der schon verloren geglaubten Kunst der symphonischen Filmmusik-Komposition, und ich persönlich hoffe, dass er Filmemacher und Musikliebhaber davon überzeugt, dass Klangfarben aus einem Orchester immer noch lebendiger und kraftvoller sind als Sub-20Hz-Dröhnen aus den Untiefen eines Synthesizers. Eine detailliertere Erörterung des Scores überlasse ich übrigens Jonathan Broxton, dessen Rezension nicht nur exakt meiner Sichtweise entspricht, sondern auch sehr viel mehr in die Tiefe geht.

Highlights: Big Market – Bus Attack – Arriving On Alpha – Spaceship Chase – Medusa – Pearls On Mul – Flight Above The Big Market – Pearls Attack – Submarine – Le souper du Roi – Boulanbator Combat – Pearl’s World – The City of 1000 Planets – Pearl’s Power – Final Combat

Wertung: * * * * *

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