Bewertungskriterien

Von Kritik und Geschmack

Kritik ist immer subjektiv. Als Musiker würde ich meine Sicht natürlich gerne für objektiv erachten, aber in Wahrheit habe ich genauso meine Geschmäcker und Vorlieben wie jeder andere. Damit ist und bleiben meine Kurzkritiken das, was Kritiken immer sind: ein Ausdruck persönlichen Geschmacks.

Und damit dieser Geschmack nachvollziehbar ist, sei hiermit erwähnt, dass ich aufgrund meiner eigenen kompositorischen Tätigkeit eine Vorliebe zu orchestraler, symphonischer Filmmusik Marke 80er-Jahre habe. Mein perfekter Soundtrack ist breit, episch, bildhaft, mitreißend, mit Leitmotiven gespickt und mit Themen versehen, die man auch nach Tagen nicht aus dem Kopf bekommt. Umgekehrt bin ich kaum zu begeistern für wabernde Soundkulissen, Drumloops und düster-melancholische „50 Shades of Bass“.

Einige Bewertungskriterien

  • Abwechslung: Nichts ist langweiliger als ein Album, das über 40 Minuten hinweg gleich klingt und dessen Tracks keinerlei „Charakter“ haben.
  • harmonische Komplexität: Kompositionen mit Generalbass oder nach dem Songwriter-Prinzip D, G, A, D üben auf mich keine Faszination aus. Harmonien dürfen ruhig „schwer greifbar“ sein, um der Musik Tiefe zu verleihen und keine Trivialität aufkommen zu lassen.
  • melodische Genialität: Was ist einnehmender als ein starkes, distinktes Hauptthema, das im Gedächtnis bleibt und den Charakter des Films einfängt! Ich weiß, davon gibt es heutzutage nicht mehr so viele, aber ich höre nicht auf, danach zu suchen.
  • Emotionalität: Ich weiß nicht, wie es euch beim Hören geht, aber manche Soundtracks haben keine Schwächen und lassen einen trotzdem kalt. Idealerweise vereint der Score aber die Seele des Films mit der des Komponisten und berührt dadurch letztendlich die des Zuhörers. Oder auch nicht.
  • Originalität: wird überbewertet, allerdings gibt es einen Punkt, ab dem mangelnde Originalität in Plagiarismus, Klischee oder Imitation kippt, und ab dann schlägt dieses Kriterium negativ zu Buche.
  • Klangfarbe und Orchestrierung: Reichhaltig, abwechslungsreich und gut ausbalanciert sollte der Klang sein. Wenn die gesamte Holzbläsersektion fehlt, ist das schon mal kein Pluspunkt, ebenso wenn man permanent von Hörnern und Pauken erschlagen wird. Die Tonqualität beurteile ich selten, allerdings gebe ich gerne zu, dass es alte, kratzige Aufnahmen bei mir etwas schwerer haben.

Wertung

So vielschichtig wie Filmmusik sein kann, sollte man einen Soundtrack nicht auf eine einzige Wertung reduzieren. Da wir aber alle informationsüberflutet sind, kann eine Wertung zumindest als Orientierungshilfe dienen. Ich bewerte daher mit folgenden 5 Ratings:

5-star-ratingHervorragend: ein all-time-Favorit, der alles richtig macht. Ein Muss in jeder Soundtrack-Sammlung oder zumindest etwas, das man vorbehaltlos empfehlen kann. Unbedingt anhören!

4-star-ratingSehr gut: ein besonders interessanter oder schöner Score, der deutlich über dem Durchschnitt reüssiert oder positiv aus der Norm fällt. Dieser Perle sollte man unbedingt eine Chance geben, denn es lohnt sich!

4-star-ratingGanz okay: Ganz, ziemlich oder sehr okay kann dieser Soundtrack durchaus gefallen, auch wenn er deutlich unter der Hammer-Marke liegt. Er bereitet Freude, wenn man sich auf seine Stärken konzentriert.

3-star-ratingNicht gut: Dieser Soundtrack hat mehr Schwächen als Stärken und ist entweder mühsam oder bar jeder Faszination. Wenn man den vorerst auf die Pension verschiebt, entgeht einem nicht viel.

1-star-ratingGrauenhaft: Finger weg. Dieser Soundtrack ist entweder reine Zeitverschwendung oder mit seelischen Schmerzen verbunden. Da lässt sich auch bei aller Liebe nichts Positives daran finden.

Anderer Meinung?

Ihr seid anderer Meinung als ich? Das ist gut! Behaltet eure Meinung bitte nicht für euch, sondern schreibt sie als Kommentar hinzu! Manchmal benötigt man eine andere Perspektive, um etwas positiver zu beurteilen. Insofern habt ihr die Macht, die hier veröffentlichten Bewertungen zu verändern. Ich bin gespannt, warum euch der eine oder andere Score besser gefällt, mehr bedeutet oder mehr berührt.

Denn darum geht es: bewegt zu werden von dieser wunderbaren Kunstform, die uns Soundtrack-Fans verbindet und unser Leben in ungeahnter Weise bereichert. Viel Freude!

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