Schlagwort: 2017

 

Tokyo Ghoul

2017, Don Davis: stilsicher, düster, romantisch

Don Davis‘ Name ist dieser Tage nicht mehr so oft zu hören wie zu Matrix-Zeiten, aber dieser Score ist definitiv ein kräftiges Lebenszeichen. Davis wartet mit einem handwerklich perfekten, im Kern ziemlich altmodischen symphonischen Score auf, der nur punktuell und vielleicht sogar deshalb sehr effektiv von Synths und Drums ergänzt wird. Man merkt, dass hier ein Komponist am Werk ist, der weiß, welche Klänge er einem Orchester entlocken kann, und dieses Potenzial auch ausschöpft. Das von Streichern getragene Hauptthema ist düster-romantisch und erinnert sowohl in seinem Arrangement als auch in seiner Memorabilität und Vielseitigkeit an Goldsmith-Scores der 90er-Jahre, was ich als großes Plus sehe. Auch der Rest des Albums ist wohlgefällig und über Kontraste erzielt Davis kraftvolle bis wunderbare Momente. Hinwegsehen muss man lediglich über die Längen in der ersten Hälfte des Albums; mit der entsprechenden Playlist schneidet Tokyo Ghoul aber knapp überdurchschnittlich ab.

Wertung: * * * *

 

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Justice League

2017, Danny Elfman: brave Superhelden-Ostinato-Melange mit viel Pomp und wenig Pfiff

Viel wurde geschrieben und getwittert über Danny Elfmans Engagement im DCEU, und groß waren die Erwartungen, zumal schon früh verraten wurde, dass er gedenke, alle möglichen Themen – inklusive seines eigenen Batman Theme – in Justice League zusammen zu führen. Tatsächlich ist das ganze aber weniger als die Summe seiner Teile, denn die Zitate früherer DC-Verfilmungen (z.B. Batman, Wonder Woman, Superman) halten sich in Grenzen und – man muss es leider sagen – überschatten das thematische Material, das Elfman für diesen Film neu geschrieben (?) hat. Tragischerweise sind es nicht Cyborg, Flash & Co, die vor dem geistigen Auge entstehen, während man das Album hört, sondern The Shadow (Goldsmith) und Spiderman (ebenfalls Elfman). Ob plumpe Kopie oder unbewusste Inspiration, als Zuhörer kriegt man jedenfalls wenig Neues geboten. Das Drumherum ist natürlich routiniert und gut gelungen und glänzt mit viel Kraft und superber Klangqualität, die orchestralen Farben sind reichhaltig und verglichen mit Remote Control-Produktionen äußerst abwechslungsreich. Mit den Maßstäben früherer Werke von Danny Elfman darf man Justice League jedoch nicht messen, und angesichts der nicht enden wollenden Streicher-Ostinati bleibt das Gefühl, dass sich Elfman über Gebühr Richtung Mainstream verbiegen hat lassen, anstatt hier ein kräftiges Lebenszeichen für originelle Filmmusik zu setzen. Schade eigentlich, denn genau Andersartigkeit war immer seine größte Stärke.

Wertung: * * *

3-star-rating

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American Assassin

2017, Steven Price: symphonische Electronica mit wenig Abwechslung

Ich muss vorausschicken, dass ich mit Steven Price’s Werken nicht sehr vertraut bin. Ich war überrascht von der thematischen Qualität von Suicide Squad, und ich kann nur mutmaßen, dass Gravity nicht schlecht sein kann, zumal dieser Score seinem Schöpfer einige Preise, darunter auch einen Academy Award, eingebracht hat. So waren meine Erwartungen an American Assassin doch einigermaßen intakt. Der Anfang enttäuscht auch nicht: Es gibt einiges an Soundkulisse, einnehmenden Harmonien und kräftigen Crescendos á la Inception, woran man sich durchaus gewöhnen könnte, auch wenn schnell klar wird, dass das keine Filmmusik der großen Themen wird. Der Sound ist breit und stellenweise scharf, eine Mischung aus Electronica und symphonischem Orchester, welches später im Album phasenweise anmutet, als hätte es ein DJ in die Mangel genommen. All das ist per se noch kein Grund wegzuschalten, aber die Eintönigkeit nimmt allmählich deutlich überhand und löst bei mir ab dem achten Track den Wann-ist-das-denn-endlich-vorbei-Effekt aus, den das versöhnende Ende des Albums kaum mehr gutmachen kann. Interessanterweise fühle ich mich beim Hören auch eher in einem Science Fiction Film als in einem Actionthriller, was nicht unbedingt für die Bildhaftigkeit des Scores spricht, mich aber jedenfalls dazu animieren wird, diesen Score noch einmal zu hören, wenn ich den Film gesehen habe.

Referenztrack: Mitch Rapp

Wertung: * *

2-star-rating

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